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Alles begann, wie man so schön sagt, mit den Welfen… Die Welfen, ursprünglich ein fränkisches Adelsgeschlecht aus dem Maas-Mosel-Raum, sind seit dem 9. Jahrhundert bekannt. Die Güter der Welfen lagen zunächst im Elsass und in Lothringen und später u. A. in Sachsen, Braunschweig-Lüneburg und Calenberg-Göttingen und somit auch in der Grafschaft Dassel mit der Niederungsfestung Erichsburg, dem heutigen Schloss Erichsburg.

Um 1070 erwarb Welf IV. als Sohn des Markgrafen Alberto Azzo II. dEste (1009–1097) die bayerische Herzogswürde und begründete die Linie der jüngeren Welfen. Diese stellten ab 1070 (mit Unterbrechungen) bis 1180 die Herzöge von Bayern, von 1137 bis 1180 die Herzöge von Sachsen und ab 1235 die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg.

Heinrich, der Löwe - aus der Linie der jüngeren Welfen, Sohn von  Heinrich, dem Stolzen und Enkel von Heinrich, dem Schwarzen - vermählte sich im Jahre 1168 mit Mathilde, Tochter des englischen Königs Heinrich II. Nach des Löwen Tod am 6. August 1195 in Braunschweig, verwalteten zunächst seine drei Söhne Heinrich, Wilhelm und Otto das Erbe gemeinsam.

Anlässlich der Heirat des Bruders Wilhelm mit einer Tochter aus dem dänischen Königshaus, erfolgte im Mai des Jahres 1202 in Paderborn die erste Teilung der welfischen Güter. Es folgten noch viele, aber auch wieder Zusammenlegungen. Grund dafür waren die sich wiederholenden Absprachen, dass nur männliche Abkömmlinge erben sollten. Dadurch konnte sich die Familie der Welfen über die Jahrhunderte mit Ihrem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg halten.

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Bild: Heinrich, der Schwarze im Weingartener Stiftungsbüchlein (erschienen um 1510)

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Bild: Heinrich, der Löwe (gemeinfrei)

Vor diesem historischen Hintergrund übergab Herzog Wilhelm II. lange vor seinem Tot im Jahr 1503 schon im Jahr 1495 die Regierungsgeschäfte an seine Söhne Heinrich (der Ältere genannt) und Erich I. (der zweite Sohn, später ebenso Erich, der Ältere genannt). Somit war Erich I. nun seit 1495 Herzog zu Braunschweig-Lüneburg und regierender Fürst von Calenberg-Göttingen.

Erich I. von Calenberg eroberte zusammen mit Heinrich dem Jüngeren von Wolfenbüttel 1521 Burg Hunnesrück. Vom Höhenzug Hatop beschoss er die Burg mit schwerem Geschütz. Er gab sie aber nach kurzer Zeit auf. Etwa 3 km weiter östlich ließ er in einer sumpfigen Niederung von 1527 (1525?) bis 1530 die durch einen breiten Wassergraben und hohe Wälle geschützte Erichsburg errichten. Erich I. diente sie zeitweise als Amtssitz. Während der Bauzeit bewohnte er die alte Burg Hunnesrück.

Sein Sohn Erich II., auch Erich der Jüngere genannt, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg war ein Söldnerführer und Landesherr des Fürstentums Calenberg-Göttingen. Nach seinem Tod infolge eines Lungenkatarrhs während eines Aufenthaltes in Italien fiel das verschuldete Fürstentum an seinen Neffen Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel. Dieser regierte von 1568 bis zu seinem Tode 1589 und gilt als einer der bedeutendsten Herrscher seines Fürstentums. Er hinterließ seinem Sohn und Nachfolger Heinrich Julius von Wolfenbüttel ein wohlgeordnetes und finanziell gesundes Fürstentum.

Herzog Heinrich Julius hielt sich oft und gern in Erichsburg auf. Er beschloss in unmittelbarer Nähe der bestehenden Bauten ein neues Hohes Haus zu errichten. Der Bau wurde vermutlich im Jahre 1604 begonnen, und war wohl im Jahre 1612 abgeschlossen worden.

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Bild: Herzog Erich I. v. Braunschweig-Lüneburg

Im dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) war die Erichsburg mehrmals Schauplatz von Kampfhandlungen und wurde hierbei teilweise schwer beschädigt. Sie sah sich verschiedenen bösartigen Angreifern ausgesetzt und, gerade fertiggestellt, erlebte sie wechselnde Besatzer, die den Gebäuden des Schlosses erheblichen Schaden zufügten.

Somit kam die Erichsburg als Festung und Jagdschloss nicht mehr in Betracht. Eine Nutzung als Sitz eines Verwaltungsbezirks und Wirtschaftsbetriebs war denkbar, aber durch die Abtretung von Hunnesrück stark eingeschränkt. Im ausgehenden 17. Jahrhundert entschied sich die Regierung für den Abbruch des Alten Hohen Gebäudes. Als befestigte Anlage, die nicht mit einer Stadt verbunden war, wurde auch die Erichsburg wie viele andere Schlösser im 17. Jahrhundert bedeutungslos. Das alte Schlossgebäude wird fast gänzlich abgerissen, nur das eigentliche Torgebäude bleibt vorläufig noch stehen. Allerdings wird das „Neue Hohe Gebäude gründlich überholt.

Im 18. und 19. Jahrhundert ist der Einfluss der wirtschaftlichen Belange bei den baulichen Veränderungen auf Schloss Erichsburg deutlich erkennbar. Georg II. gibt seine Zustimmung für umfangreiche Umbaumaßnahmen. 1745 werden die Renaissance Dacherker (Ziergiebel), die das Mauerwerk belasten und auseinanderdrücken zusammen mit dem alten Schieferdach abgenommen. Das beschädigte Mauerwerk wird abgebrochen und die Fensterwände rausgenommen und neu eingesetzt. Das Mauerwerk in der dritten Etage wird um 8 Fuß (ca. 2,50m) heruntergesetzt. Das Dach wird mit Sollinger Sandstein neu gedeckt.

Die „Demolierung der Westseite des Schlosswalles und der Abbruch des alten Torgewölbes/Tores wird am 7. Dezember 1747 von der Regierung bewilligt. Am 3. August 1802 wird Erichsburg und Hunesrück wieder vereint. Schloss Erichsburg wird 1815 Verwaltungs- und Gerichtssitz des Amtes Erichsburg-Hunnesrück. 1851 verliert die Erichsburg die Justiz und 1859 durch Aufhebung des Amts Erichsburg auch die Verwaltung.

Ab 1891 wird Schloss Erichsburg vom Konsistorium gepachtet, das Predigerseminar der Hannoverschen Landeskirche wird von Hannover auf die Erichsburg verlegt. In den Jahren 1891 bis 1979 diente die Erichsburg als Predigerseminar der Ev.-luth. Landeskirche Hannover zur Ausbildung des theologischen Nachwuchses. Die Kapelle und der gesamte Ausbau des Dachgeschosses fallen in die Zeit des Predigerseminars. Nach dessen Auflösung 1971 ließ sich nur schwer eine Nutzung finden, zuletzt diente das Schlossgebäude als Freizeitheim.

Im Jahre 1980 bot das Land Niedersachsen das gesamte Anwesen in Erichsburg zum Verkauf an. Seitdem befindet sich die Erichsburg in Privatbesitz.

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